Partnerschaft der StädteRegion Aachen mit der englischen Grafschaft Lancashire

Gerade in Zeiten des nahenden Brexits ist es ein positives Zeichen für die gemeinsamen europäischen Werte: Die StädteRegion Aachen prüft jetzt eine Partnerschaft mit dem britischen County Lancashire in Nordengland einzugehen. Das ist der einstimmig formulierte Auftrag des Städteregionsausschusses an die Verwaltung. Bis Ende November soll nun ein konkreter Vorschlag für die Umsetzung vorgelegt werden. Die SPD-Fraktion hatte den Abschluss dieser neuen Partnerschaft zuvor beantragt.

Die ersten Kontakte zwischen Lancashire und der StädteRegion hatten die beiden Europaparlamentarier Arndt Kohn (Stolberg) und Wajid Khan (Lancashire) geknüpft. „Wir sitzen im Europaparlament nebeneinander und sind über die industrielle Vergangenheit unserer Heimatstädte ins Gespräch gekommen“, sagt Kohn. Dabei kam man schnell zur Familie Cockerill, die beide Regionen eng verbindet. Die aus der Grafschaft Lancashire stammende Familie hat maßgeblich zur Industrialisierung des Raumes Lüttich-Aachen beigetragen. „Um nur ein Beispiel zu nennen: James Cockerill begründete eine Glashütte, den heutigen Zinkhütter Hof in Stolberg.“

Wajid Khan hatte die Gelegenheit, im Städteregionsausschuss einige Worte zu sagen. Dabei nannte er den bevorstehenden Brexit einen „schrecklichen Fehler“. Trotzdem, oder besser gerade deswegen, sei es enorm wichtig, den Austausch zu suchen. Khan: „Die Geschichte bringt uns zusammen, aber nur die Zukunft führt uns weiter. Wir müssen gerade jetzt nach vorne schauen und die deutsch-britische Freundschaft weiterentwickeln. Das passiert nicht über Nacht, aber es gibt viele spannende Felder, auf denen wir perfekt zusammenarbeiten können. Ich denke nur an die wirtschaftliche, soziale, aber auch kulturelle Zusammenarbeit.“

Städteregionsrat Helmut Etschenberg machte bei dem Treffen auch direkt klar, dass er den Brexit sehr bedaure, denn: „Großbritannien gehört einfach zu Europa! Es gibt sicher viele Bereiche, in denen man hervorragend zusammenpasst und gemeinsam fortkommen kann. Ich denke beispielsweise an die bedeutenden Hochschulen in Lancashire und Aachen.“ Bislang sei man mit dem Eingehen von Partnerschaften sehr zurückhaltend gewesen, so Etschenberg. Neben der über 25-jährigen Partnerschaft mit dem polnischen Jelenia Góra gibt es einzig seit kurzem auch eine wirtschaftliche Kooperation mit dem südkoreanischen Ansan. „Wir als Verwaltung sind sehr offen für die Begründung einer solchen Partnerschaft“ sagt Etschenberg. „Jetzt gilt es die inhaltlichen Ziele zu erarbeiten und Wege aufzuzeigen, wie wir diese erreichen wollen.“ Im nächsten Schritt soll für den Ausschuss für regionale Zusammenarbeit, Mobilität und Europa am 22. November schon ein beratungsreifer Vorschlag entwickelt werden.

 

County Lancashire
Die Grafschaft Lancashire liegt in Nordengland und grenzt im Westen an die Irische See, während südlich die beiden Großstädte Liverpool und Manchester liegen. In dem County leben rund 1,5 Millionen Menschen (StädteRegion Aachen: 555.000) auf einem Gebiet von ca. 3.000 km² (StädteRegion: 700 km²). Historisch spielte hier, ähnlich wie in der StädteRegion, vor allem der Kohlenbergbau und die Textilindustrie eine zentrale Rolle. Heute dominieren technologieorientierte Unternehmen im Umfeld der Universität Lancashire, der sechstgrößten britischen Universität.

 

Bildhinweis (Foto: Holger Benend, StädteRegion Aachen)
Die ersten Kontakte wurden jetzt schon im Haus der StädteRegion Aachen geknüpft. Eine Delegation der Grafschaft Lancashire rund um den Europaparlamentarier Wajid Khan (Bild: 4. v. r.) ist jetzt von Städteregionsrat Helmut Etschenberg (4.v.l) empfangen worden.